Posts tagged ‘hoerbuch-kritik’

A long way down – Nick Hornby

February 9th, 2010

Nick Hornby hat es in seinem Roman „A long way down“, der in Deutschland im Jahr 2006 erstmals veröffentlicht wurde, wieder einmal geschafft auf skurrilste Weise Menschen zusammen zu führen.
Der Londoner Autor bringt vier grundverschiedene Charaktere an einem Ort, wie er ungewöhnlicher wohl nicht hätte sein können, zusammen. Vier Menschen mit ein und derselben Absicht, in der Silvesternacht, auf einem Hochhausdach.
Sie haben sich etwas vorgenommen, sie wollen springen, ihren, aus ihrer Sicht verkorksten Leben ein Ende setzen, einen Schlussstrich ziehen.

Nick Hornby A long way down Hörbuch

Nick Hornby A long way down Hörbuch

Doch jeder von ihnen muss feststellen, dass nicht nur sie selbst mit Problemen zu kämpfen haben, sondern auch andere Menschen, aus anderen Gründen, als sie, zu diesem letzten endgültigen Entschluss gekommen sind.
Hornby vermittelt dem Leser einen Einblick in die Leben der vier Personen, die an diesem schicksaalhaften Abend ins Gespräch kommen und gemeinsam entscheiden vorerst nicht zu springen, sondern sich zu einem späteren Termin erneut auf dem Dach zu verabreden.
Bis dahin sollte allerdings noch viel passieren…
Die Gestaltung des Hörbuchs ist dabei sehr gelungen, es agieren vier Sprecher, die die Verkörperung der Charaktere übernehmen.
Andreas Petri übernimmt die Rolle des Moderators Martin, dessen Karriere nach einer Affäre mit einer minderjährigen vor dem Ende steht, dabei überzeugt er vor allem in Konfliktsituationen mit seiner festen Stimme. Diese entstehen meist durch die Jugendliche Jess, von Julia Hummer gesprochen. Das Mädchen fühlt sich durch ihre Eltern falsch verstanden und durch den Beruf des Vaters, der als Politiker tätig ist, vernachlässigt. Hummer versteht es dabei, die freche, jugendliche Art Jess` durch ihre Stimme auszudrücken. Der erfolg- und glücklose Musiker JJ, der von seiner letzten gescheiterten Beziehung gebeutelt ist, wird von Stefan Kaminski gesprochen. Der letzte Charakter, Maureen, hat einen pflegebedürftigen Sohn und ein eher tristes Leben, das darin besteht sonntags in die Kirche zu gehen und sich um ihren Sohn zu kümmern. Zwischenmenschliche Beziehungen kamen in ihrem Leben stets zu kurz. Maureen wird von Hille Darjes gesprochen, die es versteht die Verunsicherung ihres Charakters wiederzugeben.
Dabei gelingt es allen Sprechern die verschiedenen Stimmungslagen der Figuren dem Zuhörer gegenüber zu vermitteln.
Nick Hornby schafft es dem schwierigen Thema des Suizids mit viel Feingefühl entgegenzutreten. Dabei gelingt ihm die Gradwanderung zwischen gesundem Humor und der gewissen Ernsthaftigkeit, was auch die Sprecher des Hörbuchs vermitteln. Alles in allem ist die Umsetzung des sehr ansprechenden Buches als Hörbuch gut gelungen.

Daniel Kehlmann Ruhm Hörbuch

January 21st, 2010

Der vorangegangene Bestseller “Die Vermessung der Welt” war schon auf seine intellektuelle Weise schräg, der neue Roman (bzw. das Hörbuch) „Ruhm“ von Daniel Kehlmann ist es ebenfalls, aber auf eine andere, ganz eigene Art.

Gelesen wird der Roman von Ulrich Matthes und Nina Hoss. Doch wie schon im o. g. Vorgänger-Roman passt Ulrich Matthes perfekt zur Sprache von Daniel Kehlmann. Es ist geradezu unheimlich, wie der Sprecher den subtil-ironischen Humor des Autors trifft und mit seinen Worten Leben verleiht.

Daniel Kehlmann Ruhm Hörbuch

Daniel Kehlmann Ruhm Hörbuch

„Ruhm“ hört sich wie ein Film, genauergesagt wie ein Episodenfilm à la Pulp Fiction oder Short Cuts, wobei Daniel Kehlmann seine Darsteller aus verschiedenen Perspektiven zeichnet. Die neun Schicksale sind direkt aus dem Leben gegriffen und auf irgendeine Weise miteinander verwoben.
So taucht in einigen Geschichten ganz dezent immer mal ein Lebenshilfe-Buch von Miguel Aristos-Blancos auf. Der Strang endet schließlich bei eben diesem Lebenshilfe-Schreiber, der für sich persönlich nur noch einen Ausweg sieht.

Ein Mann erhält fälschlicherweise eine bereits vergeben Handy-Nummer und hat plötzlich Spaß daran sich für den anderen auszugeben. Von der anderen Seite beleuchtet, wundert sich der bekannte Schauspieler warum ihm sein Leben entgleitet.

Die zwei Verursacher des Handy-Chaos haben ihrerseits auch ihre eigenen Geschichten. Und es wundert nicht, dass es sich um einen Familienvater mit Doppelleben und einen Internetjunkie mit Realitätsverlust handelt.

Außerdem taucht an manchen Stellen unversehens ein seltsamer Fremder auf, der den gerade gedankenversunkenen Protagonisten eine Mitfahrgelegenheit anbietet, dafür knackt er offensichtlich eben mal das ein oder andere Auto.

Diese und andere Geschichten haben einen so speziellen Blickwinkel, dass der Leser zum Voyeur wird – man hat einen kurzen aber tiefen Einblick ins Selenleben der Charaktere.

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Nirgendwo in Afrika – Stefan Zweig – Hörbuch

November 17th, 2009

Die momentanen politischen Umstände im Dritten Reich, bringt dem Rechtsanwalt Walter Redlich dazu, dass er nach Kenia auswandern muss. Wegen dieser brisanten Lage, rät eine jüdische Gemeinde dem Anwalt, dass er seine Familie nachkommen lässt, damit sie sich in Sicherheit befinden. Jedoch ist seine Freu Henriete, die im Hörbuch „Jettel“ genannt wird, nicht gerade positiv eingestellt, als sie davon erfährt. Doch folgt sie ihrem Mann, ohne das sie irgendwelche Anstände macht oder sich dagegen wehrt.

Nirgendwo in Afrika Hörbuch Kritik

Nirgendwo in Afrika Hörbuch Kritik

Daher folgt sie ihrem Mann dann mit ihrer kleinen Tochter Regina. Damit er weiterhin seine kleine Familie ernähren kann, wird Walter Pächter einer abgelegenen Farm in Rongai. Jedoch muss seine Familie später ums Überleben kämpfen, da wegen seiner Unerfahrenheit und einer großen Trockenheit, es keine wirklichen Erfolge brachte, damit er seine Familie ernähren kann. Des Weiteren kann sich seine Frau Jettel nicht an die neuen Lebensumstände gewöhnen, doch ihre Tochter Regina scheint, dass sie in dieser neuen Welt aufblüht, da sie früher sehr schüchtern war, aber hier schnell einen Anschluss bei der Person Owour findet. Dies ist ein Mann, der aus dem Stamm Jalou kommt und Walter als Koch eingestellt hat.

Franziska Pigulla verleiht der schwarzen- und weißen Bevölkerung eine besondere Klangfülle, so dass man sich sehr gut in die Menschen hineinversetzen kann. Durch ihre hohe Professionalität und ihrer Erfahrenheit, ermöglicht sie, dass besondere Gefühle während des Hörbuchs wachsen. Außerdem haucht sie der Autobiografie ihren eigenen Zauber ein, so dass man wirklich in die Geschichte eintauchen kann.
Des Weiteren wurde der Roman 2001 von der Regisseurin Charlotte Link verfilmt. Dafür bekam sie im Jahr 2003 ein Oscar in der Kategorie „Bester nichtenglischsprachiger Film“.

Der Kerngedanke des Romans ist, dass man alte Klischees und Normen weg werfen muss, damit sich die Menschen einander besser verstehen können. Denn genau dann, spielt es für die Menschen keine große Rolle mehr, ob jemand Deutscher oder Jude ist.

Nirgendwo in Afrika. 4 CDs: Autobiographischer Roman